Blick in die Praxis

Universal Design for Learning

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Universal Design for Learning (UDL) ist ein inklusionsorientierter, forschungsbasierter Ansatz zur Gestaltung von Unterricht, der aus dem Konzept des Universal Design in der Architektur abgeleitet wurde und auf den Arbeiten des Center for Applied Special Technology (CAST) in den USA beruht (Meyer, Rose & Gordon, 2014). Es überträgt die Grundidee des Universal Design aus der Architektur – die Gestaltung von Umgebungen, die für möglichst viele Menschen ohne Anpassung nutzbar sind – auf den Bildungsbereich. Entsprechend der Herkunft der Entwickler aus den Neurowissenschaften wird Lernen auf affektive, kognitive und motorische Momente des Lernens verortet. Im Mittelpunkt steht hier, warum Menschen lernen, was sie lernen und wie sie lernen (why, what, how) (Biewer, 2022). UDL geht davon aus, dass Lernende in ihren Wahrnehmungs-, Verarbeitungs- und Ausdrucksweisen erheblich variieren, und versteht diese Vielfalt nicht als Ausnahme, sondern als Normalfall. Daraus leiten sich drei zentrale Gestaltungsprinzipien ab:

  • Multiple Means of Representation (Was? – Vielfalt der Darstellung) Inhalte werden auf verschiedenen Wegen angeboten – etwa visuell, auditiv oder textuell, z. B. durch die Nutzung von Videos, Simulationen, Grafiken. So werden unterschiedliche Zugänge zum Lernen ermöglicht.
  • Multiple Means of Action and Expression (Wie? – Vielfalt im Handeln und Ausdruck) Lernende haben die Möglichkeit, ihr Wissen auf verschiedene Weise zu präsentieren, z. B. durch mündliche Beiträge, schriftliche Arbeiten, multimediale Präsentationen oder kreative Produkte, wie Poster, Podcasts, Ausstellungen.
  • Multiple Means of Engagement (Warum? – Vielfalt der Motivation und Beteiligung) Unterricht weckt Interesse durch motivierende Aufgaben, Selbstwahlmöglichkeiten und personalisierte Anreize – etwa durch projektbasiertes Arbeiten.

Unterricht basierend auf UDL berücksichtigt unterschiedliche Interessen, Relevanzwahrnehmungen und Selbststeuerungskompetenzen. Im Vergleich zum herkömmlichen Unterricht, der häufig auf ein „one-size-fits-all“, den Durchschnittslernenden zugeschnitten ist, setzt UDL auf proaktive Planung, um Barrieren von vornherein zu minimieren und allen Lernenden einen gleichberechtigten Zugang zu Lernprozessen zu ermöglichen.

UDL ist ein systemisch inklusiver Ansatz, der durch proaktive Planung, flexible Didaktik und vielfältige Ausdrucksformen allen Lernenden zugutekommt. Inzwischen wurde UDL in den USA gesetzlich verankert und findet institutionelle Umsetzung wenngleich qualitativ variierend.