Selbstgesteuertes Lernen
„Selbstgesteuertes Lernen ist eine Form des Lernens, bei der die Person in Abhängigkeit von der Art ihrer Lernmotivation selbstbestimmt eine oder mehrere Selbststeuerungsmaßnahmen (kognitiver, volitionaler oder verhaltensmäßiger Art) ergreift und den Fortgang des Lernprozesses selbst (metakognitiv) überwacht, reguliert und bewertet“ (Konrad & Traub 2017, 8).
Hier treffen die Überlegungen aus dem individualisierten Lernen zusammen mit den Gedanken zum kooperativen Lernen und vereinen sich zum sogenannten selbstgesteuerten Lernen, wobei der Lernende die maximale Eigenkontrolle über sein Lernen hat. Im Mittelpunkt steht hierbei der Lernprozess.
Selbstgesteuertes Lernen ist ein zielorientierter Prozess des aktiven und konstruktiven Wissenserwerbs, der auf dem reflektierten und gesteuerten Zusammenspiel kognitiver und motivational-emotionaler Ressourcen einer Person beruht. Entscheidungsfreiräume der Lernenden werden wahrgenommen und im Unterricht eingesetzt und für das eigene Lernen genutzt. Lernende werden selbst aktiv mit und ohne die Hilfe anderer. Die Lernenden steuern ihr Verhalten volitional (Traub, 2022).
Mit dem Konzept des personalisierten Lernens als einer Vielzahl unterrichtspraktischer Formen wird letztlich das Ziel verfolgt, selbstgesteuertes Lernen zu ermöglichen und zu fördern. Die Inhalte müssen so aufbereitet werden, dass Lernende motiviert werden, sich aktiv und engagiert mit dem Lernstoff auseinander zu setzen.
Die vorgestellten Konzepte eint ein zentrales Anliegen: Sie rücken die Individualität der Lernenden ins Zentrum und zielen bei unterschiedlicher Ausprägung von Selbst- und Fremdsteuerung auf die Förderung selbstverantwortlichen Lernens. Da Lernprozesse in hohem Maße innerlich und individuell verlaufen, benötigen sie nicht nur eine feinfühlige Begleitung durch die Lehrkraft, sondern auch Möglichkeiten zur Mitbestimmung und aktiven Mitgestaltung durch die Lernenden. Individualisiertes, adaptives, personalisiertes und schließlich selbstgesteuertes Lernen markieren dabei eine Entwicklungslinie zunehmender Eigenverantwortung und Selbststeuerung. Gleichzeitig erfordert diese Entwicklung ein hohes Maß an passgenauer, didaktisch fundierter Unterstützung. Neben der individuellen Dimension des Lernens kommt dem kooperativen Lernen eine zentrale Rolle zu als soziale Verankerung individueller Lernprozesse und als Erfahrungsraum für Kommunikation, Perspektivwechsel und gemeinsame Wissenskonstruktion. Die Rolle der Lehrkraft verändert sich dabei grundlegend: Sie wird mit zunehmendem Alter der Lernenden weniger zur Vermittlerin vorgegebener Lerninhalte, sondern vielmehr zur Lernbegleiterin und zum Coach, der individuelle Lernprozesse initiiert, strukturiert, unterstützt und gemeinsam mit den Lernenden reflektiert.