Blick in die Praxis

Lernleitermethode

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Die sogenannte Lernleitermethode stellt ein Konzept des individualisierten und inklusiven Unterrichts dar, das insbesondere für heterogene Lerngruppen entwickelt wurde. International wird der Ansatz als MultiGradeMultiLevel Methodology (MGML) bezeichnet. Ursprünglich entstand das Konzept seit den 1980er Jahren am Rishi Valley Institute for Educational Resources in Indien für jahrgangsgemischte Lerngruppen in ländlichen Schulen. Die dort entwickelten „Ladders of Learning“ bildeten die Grundlage der heutigen Lernleitermethode. U. a. Thomas Müller griff diese Ansätze auf, adaptierte sie für den deutschsprachigen Bildungsraum und entwickelte sie insbesondere für inklusive und sonderpädagogische Kontexte weiter (Girg et al., 2012).

Das Konzept basiert auf der Annahme, dass Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Lernvoraussetzungen, Lerngeschwindigkeiten und Kompetenzstände mitbringen und deshalb nicht alle zur gleichen Zeit dieselben Inhalte bearbeiten müssen. Zentrales Element ist die sogenannte „Lernleiter“, die Lernprozesse in aufeinander aufbauende Kompetenzstufen gliedert. Die Lernenden bearbeiten Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade und dokumentieren ihren Lernfortschritt eigenständig. Dadurch werden Lernziele und Kompetenzentwicklungen transparent gemacht (Müller et al., 2024).

Die Methode eignet sich besonders für jahrgangsgemischte Klassen, inklusive Settings sowie Grund- und Förderschulen. Einsatzmöglichkeiten bestehen vor allem in kompetenzorientierten Fächern wie Mathematik, Deutsch oder Sachunterricht. Durch die strukturierte Differenzierung können Schülerinnen und Schüler auf unterschiedlichen Niveaus innerhalb einer gemeinsamen Lerngruppe arbeiten.

Zu den zentralen Zielen der Methode zählen die Förderung von Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und individueller Kompetenzentwicklung. Gleichzeitig sollen Über- beziehungsweise Unterforderung vermieden werden. Die Transparenz der Lernprozesse kann Motivation und Selbstwirksamkeit stärken sowie kooperative Lernformen unterstützen.

Die Rolle der Lehrkraft verändert sich innerhalb dieses Konzepts deutlich. Sie fungiert weniger als reine Wissensvermittlerin, sondern vielmehr als Lernbegleitung, Diagnostikerin und Beraterin. Ihre Aufgabe besteht darin, Lernprozesse zu strukturieren, individuelle Unterstützung anzubieten und Lernfortschritte kontinuierlich zu beobachten. Damit entspricht die Lernleitermethode modernen Vorstellungen eines schülerorientierten und inklusiven Unterrichts (Girg et al., 2012).