Blick in die Praxis
Heliosschule, Köln
Die Heliosschule in Köln-Ehrenfeld gilt bundesweit als Leuchtturm für eine zukunftsorientierte Schulentwicklung. Als inklusive Universitätsschule in staatlicher Trägerschaft verfolgt sie ein innovatives pädagogisches Konzept, das konventionelle Schulstrukturen grundlegend infrage stellt und Schule als lernende Organisation versteht (Helmke et al., 2012). Im Zentrum stehen individuelle Lernprozesse, heterogene Lerngruppen, projektorientiertes Arbeiten und die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis im Sinne eines „Third Space“ zwischen Universität, Schule und Gesellschaft.
Ein zentrales Element des Konzepts ist das jahrgangsübergreifende Lernen in Stammgruppen, das auf eine altersheterogene und sozial inklusive Lerngemeinschaft zielt. Dabei wird schulisches Lernen nicht primär als Stoffvermittlung, sondern als co-konstruktiver Prozess verstanden, in dem Lernende gemeinsam mit Lernbegleiterinnen Themen erforschen und bearbeiten (Hensel et al., 2024). Fachliche, soziale und personale Kompetenzen werden in individualisierten Lernzeiten und Projekten gleichermaßen gefördert. Die klassische Trennung von Unterricht und Freizeit wird zugunsten eines rhythmisierten Ganztags aufgehoben.
Die Rolle der Lehrkraft verändert sich hierbei grundlegend: Sie wird zur professionellen Begleitung individueller Lernprozesse und zur Moderatorin kooperativer Aushandlungsprozesse – ein Anspruch, der hohe reflexive und diagnostische Kompetenzen erfordert (Eickelmann et al., 2021). Unterstützt wird dies durch ein kollegiales Team-Teaching, regelmäßige Feedbackrunden und systematische Fortbildungen im multiprofessionellen Team.
Auch architektonisch ist die Heliosschule auf den Lernkulturwandel ausgerichtet. Offene Lernlandschaften mit Lerninseln, Rückzugsorten und Multifunktionszonen fördern eine Umgebung, die zum forschenden Lernen anregt. Allerdings sollten für Kinder und Jugendliche mit Hörbehinderung akustische Nachjustierungen und Optimierungen umgesetzt werden.
Die folgende Übersicht zeigt, wie die pädagogische Arbeit der Heliosschule im Kontext der acht Komponenten schulischer Entwicklung verortet werden kann:
Umsetzung der acht Komponenten schulischer Entwicklung
Die pädagogische Konzeption der Heliosschule lässt sich besonders anschaulich anhand der acht Komponenten schulischer Entwicklung analysieren:
Tabelle 2. Komponenten Lernkulturwandel für die Heliosschule, Köln
Die Heliosschule Köln zeigt exemplarisch, wie schulische Innovation aus einem ganzheitlichen Blick entstehen kann – indem Raumarchitektur, digitale Infrastruktur, inklusives Lernen und pädagogische Haltung systemisch verzahnt werden. Sie beweist, dass Schule kein statischer Ort, sondern ein lebendiger Organismus ist, der sich mit seinen Lernenden und pädagogischen Begleitenden kontinuierlich weiterentwickelt (Heliosschule, »Inklusive Universitätsschule der Stadt Köln«, 2025).
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