Blick in die Praxis
Alemannenschule, Wutöschingen
Die Alemannenschule Wutöschingen im Landkreis Waldshut gilt bundesweit als Vorreiterin für eine konsequent an der Zukunft orientierte Schulentwicklung. Ursprünglich eine kleine Gemeinschaftsschule in ländlicher Lage, hat sie in den letzten Jahren ein pädagogisches Profil entwickelt, das die Prinzipien individualisierten, kompetenzorientierten und selbstverantwortlichen Lernens in nahezu allen schulischen Bereichen umsetzt. Im Zentrum des pädagogischen Konzepts stehen Lernfreiheit, Selbstverantwortung und digitale Unterstützung – verbunden mit einer Lernarchitektur, die traditionellen Unterrichtsroutinen bewusst den Rücken kehrt.
Die Schule arbeitet jahrgangsübergreifend, in offenen Lernformaten und mit digital gestützten Instrumenten zur Lernreflexion. Im Mittelpunkt stehen „selbstorganisiertes Lernen“ und „Lernen durch Erleben“. Insbesondere das sogenannte „Lernatelier" bildet dabei das Herzstück: Hier arbeiten Lernende eigenständig an individuell abgestimmten Lernplänen, begleitet durch Lernbegleiter, die nicht primär unterrichten, sondern Entwicklungsprozesse begleiten. Das Gegenstück bildet der Marktplatz für kooperatives Lernen. In Inputräumen werden neue Themen in kurzen Einheiten für Interessierte durch Lehrkräfte erklärt. Lernprozesse werden über ein digitales Logbuch dokumentiert und reflektiert, wobei das Schulteam konsequent auf formative Rückmeldung statt auf klassische Noten setzt. Die technische Infrastruktur – etwa die flächendeckende Nutzung von Tablets, digitale Feedback-Tools oder Lernplattformen – unterstützt nicht nur den individuellen Lernprozess, sondern macht diesen transparent und dialogisch anschlussfähig.
Umsetzung der acht Komponenten schulischer Entwicklung
Die pädagogische Konzeption der Alemannenschule lässt sich besonders anschaulich anhand der acht Komponenten schulischer Entwicklung analysieren:
Tabelle 1. Komponenten Lernkulturwandel für die Alemannenschule
Der konsequente Umbau schulischer Strukturen folgt dabei einem übergreifenden kulturtheoretischen Leitbild: Schule wird nicht als Belehrungsanstalt, sondern als Lebensraum verstanden, der Gestaltung, Begegnung und Entwicklung ermöglicht. Die Schule selbst versteht sich als lernende Organisation, die auch das Kollegium kontinuierlich in Entwicklungsprozesse einbindet. Der herkömmliche Unterricht wurde aufgelöst.
Aktuelle Studien (z. B. Eickelmann et al., 2021; Tulowitzki & Gerick, 2020) betonen, dass insbesondere die Verbindung von pädagogischer Innovation und digitaler Transformation – wie sie an der Alemannenschule praktiziert wird – ein zukunftsweisendes Modell für Schule im 21. Jahrhundert darstellt.
Die Alemannenschule Wutöschingen steht exemplarisch für eine Schule im Wandel – eine Schule, die es schafft, strukturelle Offenheit, pädagogische Reflexion und digitale Innovation zu einem konsistenten Konzept zu verbinden (Herrmann, 2025; Ruppaner & Willers, 2025).
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